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17.10.2017

Aktueller Pressespiegel

Hans Jürgen Warnecke berichtet


Wie kam das Stift Borghorst an das Nikomedes-Patrozinium?


 

Historiker Hans Jürgen Warnecke, der für seine Vorträge die Atmosphäre im Leineweberhaus schätzt, hatte  Kopien von historischen Urkunden mitgebracht.

Borghorst. Wie kam das Stift Borghorst an das Nikomedes-Patrozinium? Dieser Frage ging der Borghorster Historiker Hans Jürgen Warnecke im Leineweberhaus im Buckshook nach.  Heimatvereinsvorsitzende Franz-Josef Schönebeck konnte interessierte Zuhörer auch aus Burgsteinfurt begrüßen. "Nach meinen bisherigen Erkenntnissen kann das Nikomedes-Patrozinium, nur aus Mainz gekommen sein, denn alle anderen Nikomedes-Kirchen in Deutschland sind erst in späterer Zeit entstanden", erklärte der Historiker. Die Kirche St. Nikomedes in Mainz gehörte dort zu den ältesten Kirchen überhaupt. Sie wurde von dem Mainzer Bischof Bothadus (um 614-625) gegründet.  Ob damit an römische Traditionen direkt angeknüpft wurde, lässt sich nur vermuten. Der ungewöhnliche Patron war ein römischer Märtyrer, dessen Patrozinium nur im alten Rom bekannt war. Für den Heiligen gab es zwei Festtage, den 1. Juni und den 15. September.

"In Mainz stießen Archäologen am früheren Südbahnhof auf das größte Bühnentheater nördlich der Alpen. Der Bahnhof wurde daher umbenannt in "Römisches Theater". Die Gewölbe des Theaters, ganz in der Nähe des "Drusussteins", eines römischen Denkmals, überdauerten noch einige Jahrhunderte und wurden als Katakomben für Bestattungen der umliegenden Klöster St. Alban, St. Jacob und vor allem St. Nikomedes benutzt. Die Nikomedes-Kirche und das dazu gehörige Nonnen-Kloster gibt es seit dem 17. Jahrhundert nicht mehr. Die Ausgrabungen auf dem Areal des römischen Theaters dauern an. Weitere Funde dürften dort noch ans Tageslicht kommen", wusste Warnecke zu berichten und ergänzte: ich freue mich wenn neue Dinge dabei zum Vorschein kommen. König Heinrich I. (919-936), dessen Heerführer der in der Borghorster Stiftskirche bestattete Graf  Bernhard (+935) war, und sein Sohn, Kaiser Otto I. der Große (936-973), urkundeten für das Kloster St. Alban in nächster Nachbarschaft der Mainzer Nikomedes-Kirche. In St. Alban fanden auch Erzbischof Wilhelm von Mainz, Herzog Liudolf von Schwaben und dessen Schwester Liudgard, die Kinder Kaiser Ottos, ihre letzte Ruhestätte.

St. Alban war der Ort, wichtiger Kirchen- und Reichsversammlungen. Es spielte auch eine große Rolle bei der Ostmission und ihr bedeutendster Vertreter war Adalbert, der spätere 1. Erzbischof von Magdeburg (968-981). Nach der Borghorster Überlieferung war er der Bruder der Borghorster Stiftsgründerin, der Gräfin Bertha.

Unter dem münsterischen Bischof Christoph Bernhard von Galen brachte Dr. Bernhard Rölvingh, Apostolischer Protonotar, Kanonikus und Pfarrer der Stiftskirche St. Nikomedes in Borghorst, Nikomedes-Reliquien im Jahre 1660 aus der Calixtus-Katakombe in Rom nach Borghorst. Noch weitere Reliquien aus dieser Katakombe dürften ihren Weg nach Westfalen gefunden haben: Papst Calixtus stand im Reichsstift Herford in hoher Verehrung und war Patron der Kirche in Riesenbeck. Bilder der Metelener Stiftspatrone Cornelius und Cyprian sind in der Calixtus-Katakombe zu sehen. Hier sind sie auch bestattet. In der „Krypta der Päpste“ in der Calixtus-Katakombe ließ Papst Damasus ein Lobgedicht auf die Märtyrer und Heiligen anbringen, die in den umliegenden Grabgängen bestattet wurden, so auch Papst Sixtus II. und seine am gleichen Tag gemarterten Begleiter, die Diakone Felicissimus und Agapitus. Reliquien dieser Heiligen wurden im Jahre 839 in das Damenstift Vreden übertragen.

Das Borghorster Totenbuch oder Necrologium nennt die meisten Angehörigen der ottonischen  Kaiserfamilie, die bedeutendsten Erzbischöfe und Bischöfe des 10. Jahrhunderts und natürlich auch die der mit dem Königshaus verwandten Gründerfamilie des Stiftes Borghorst.

Text und Foto: Hermann-Josef Pape




Öffnungszeiten Heimathaus

Das Heimathaus Borghorst ist für Besichtigungen jeden 2. Sonntag im Monat von 15:00 Uhr bis 17:30 Uhr, sowie für Gruppen nach Vereinbarung, geöffnet. Der Eintritt ist frei. Bitte schauen Sie auch unter
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